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Gliedertaxe: Wieviel ist ein Körperteil wert?

Schließen Sie eine private Unfallversicherung ab, möchten Sie sich für den Fall einer Invalidität finanziell absichern. Doch wissen Sie eigentlich, wieviel Geld man für was bekommt?
 Gliedertaxe: Wieviel ist ein Körperteil wert?

Der Grad der Behinderung nach einem Unfall ist ausschlaggebend für die Leistungen der Versicherungsgesellschaft. Verliert ein Motorradfahrer bei einem Unfall ein Bein, ist der Invaliditätsgrad höher als die abgeschnittene Fingerkuppe des Hobbybastlers. Und bei höherer Invalidität gibt es auch mehr Leistung.

Um hier eine Linie zu haben, arbeiten die Versicherungen mit der sogenannten Gliedertaxe. Das ist eine Tabelle, in der für jeden Körperteil festgelegt wird, wie hoch die Einschränkung der Funktionsfähigkeit nach dem Verlust des Körperteils ist.

Große Zehe fünf Prozent, Finger zehn Prozent, Arm 70 Prozent

Die Gliedertaxen und Invaliditätsgrade sind von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich. Ist der Verlust einer Hand bei dem einen Anbieter mit 55 Prozent angezeigt, bewertet der andere dagegen den Verlust mit 75 Prozent.

Allerdings gibt es vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft eine Standardgliedertaxe, nach der sich oft die Basistarife der Unfallversicherungen richten:

• Arm 70 Prozent
• Arm bis oberhalb des Ellenbogengelenks 65 Prozent
• Arm unterhalb des Ellenbogengelenks 60 Prozent
• Hand 55 Prozent • Daumen 20 Prozent
• Zeigefinger 10 Prozent
• anderer Finger 5 Prozent
• Bein über der Mitte des Oberschenkels 70 Prozent
• Bein bis zur Mitte des Oberschenkels 60 Prozent
• Bein bis unterhalb des Knies 50 Prozent
• Bein bis zur Mitte des Unterschenkels 45 Prozent
• Fuß 40 Prozent
• große Zehe 5 Prozent
• andere Zehe 2 Prozent
• Auge 50 Prozent
• Gehör auf einem Ohr 30 Prozent
• Geruchssinn 10 Prozent
• Geschmackssinn 5 Prozent

Wie berechnet die Unfallversicherung die Leistungen nach Gliedertaxe?

Um die finanzielle Leistung zu berechnen, benötigen Sie Versicherungssumme und Gliedertaxe.

Fall 1:
Kompletter Verlust: Sie schlagen sich beim Holzhacken den Daumen ab. Dann erhalten Sie bei einer Gliedertaxe von 20 Prozent und einer Versicherungssumme vom 100.000 Euro eine einmalige Leistung von 20.000 Euro.

Fall 2:
Teilweise Schädigung oder Funktionsstörung, durch Arztgutachten bestätigt. Sie verletzten sich am Knie und können das Gelenk nicht mehr abknicken. Der Arzt bestätigt eine dauerhafte Schädigung des Körperteils von 10 Prozent. Bei einer Gliedertaxe von 70 und einer Versicherungssumme von 100.000 bekommt man 7.000 Euro.

Fall 3:
Progression: Haben Sie einen Vertrag mit Progression abgeschlossen, verhält es sich anders. Progression bedeutet mehr Invalidität – mehr Leistung. Beispiel: Versicherungssumme 100.000 Euro, Progression 225 Prozent. Bei einer Vollinvalidität erhalten Sie nicht 100.000 Euro, sondern 225.000 Euro. Wichtig zu wissen: Rein statistisch haben viele Unfälle weniger als 25 Prozent bleibende Funktionsstörungen. Für den Bereich 1 – 25 kommt die Versicherung mit Progression nicht auf. Die Staffelungen der Progression wirken sich deutlich auf die monatlichen Beiträge aus. Möchten Sie für alle Fälle die Progression im Vertrag mit aufnehmen, müssen Sie die höheren Beiträge in Kauf nehmen.

Ab wann erkennt die Unfallversicherung überhaupt eine Invalidität an?

Unfallversicherungen lassen dann eine Invalidität gelten, wenn als Folge eines Unfalls entweder die geistige oder die körperliche Leistungsfähigkeit auf Dauer eingeschränkt ist. Dauerhaft bedeutet zudem, dass die Einschränkung der Leistungsfähigkeit länger als drei Jahre anhält oder für immer bleibt.

Brechen Sie sich den Unterarm und der ist nach drei Monaten wieder verheilt, gibt es keine Leistung für die Zeit in Gips. Hier bieten lediglich einige Unfallversicherungen ein kleines Schmerzensgeld als Zusatzleistung an.

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Unfall, Invalidität – aber kein Geld: Wann die Unfallversicherung nicht leistet
Die Private Unfallversicherung zahlt nicht bei jedem Unfall. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Sie die Vertragsbedingungen genau unter die Lupe nehmen und bei Unklarheiten nachhaken. In der Regel ausgeschlossen von den Leistungen sind:

• Unfälle, die wegen einer Bewusstseinsstörung eintreten.
Dazu gehört neben Drogenrausch oder Alkoholeinfluss auch nicht selbstverschuldete körperliche Zustände wie kreislaufbedingte Ohnmachten, Epilepsie oder Schlaganfall. Erleidet die Hausfrau beim Fensterputzen eine Ohnmacht und fällt von der Leiter, leistet die private Unfallversicherung nicht für bleibende Schäden des Unglücks.

• Invalidität nach Straftaten.
Kann ein Versicherter nach einem Überfall seinen Beruf nicht mehr ausüben, deckt die Unfallversicherung nicht den finanziellen Ausfall durch die Berufsunfähigkeit. Hier greift nur die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Vorsicht vor Unfallversicherungen mit „Geld zurück“ Slogan!
Über viele Jahre Beiträge in eine Versicherung einzuzahlen, die Sie letztendlich und glücklicherweise doch nicht benötigen. Das ist wenig attraktiv für viele Versicherungsnehmer. Daher bieten viele Unternehmen Unfallversicherungen an, die am Ende der Laufzeit eine Beitragsrückgewähr bieten.

Auf den ersten Blick gar nicht schlecht – doch beim derzeitig niedrigen Zinsniveau keine gute Anlage. Eine Unfallversicherung ist keine Geldanlage! Und sollten Sie bei Vertragsende nur die eingezahlten Beiträge ohne Überschuss Beteiligung erhalten, macht man gar ein Minusgeschäft. Das Geld hat über die Jahre wegen der Inflation an Wert verloren.

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03.02.2016
Foto: Stock-Asso / Shutterstock.com
Fotos:Model/Colourbox.de
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